Reiseberichte aus Neuseeland, Namibia und Equador

Im Sommer 1998 sind wir mit vier Leuten für einen Monat in dieses faszinierende Land geflogen. Im Gegensatz zu meinen bisherigen Reisen ist im Vorfeld etwas mehr Organisationsarbeit geleistet worden, vor allen Dingen von meinem Freund Ralf, der schon mal beruflich im Land zu tun hatte und über Kontakte einen Mietwagen und Unterkünfte in den Nationalparks besorgt hat. Ein Mietwagen ist in meinen Augen in Namibia völlig unerläßlich, weil die Infrastruktur in Bezug auf Busse und Züge für den Reisenden völlig unzureichend ist.

Startpunkt unserer Reise war Windhoek, einer nicht so interessanten Stadt. So sind wir nach unserem ersten Straußensteak und Apfelstrudel mit Vanillesauce am nächsten Tag sofort in Richtung Süden aufgebrochen. Ziel war der Köcherbaumwald, gut 400 km entfernt. Für einen Europäer werden sofort außerhalb Windhoeks der Begriff "unbewohnt" und "einsam" neu definiert.Die Asphaltstrasse zieht sich wie ein schnurgerades Band bis zum Horizont, durch völlig karge, leere Landschaft. Da es sich um die Hauptverkehrsader in Richtung Südafrika handelt, ist noch recht viel Verkehr, Angst vor Staus braucht man jedoch nicht zu haben.

Der Köcherbaumwald ist eine lose Ansammlung von einigen Hundert Bäumen dieser Aloenart, die nur im südlichen Namibia und Südafrika vorkommen. In der Abenddämmerung leuchten sie golden, ihre Silouetten heben sich bizarr gegen den Abendhimmel ab. Fotografen sollten in dieser einzigartigen Szenerie schon mal ein paar Filme einplanen. Es war der Abend des WM-Endspiels 1998, das wir uns in dieser völligen Einsamkeit in bitterer Kälte mit einem Weltempfänger auf Radio Windhoek angehört haben, andere Sender konnten wir nicht empfangen.

Weiter ging es Richtung Fish River Canyon. Nach ersten Erfahrungen auf Staubpisten standen wir am Rande dieses Canyons, der mit 549 Metern Tiefe und 161 km Länge nach dem Grand Canyon der zweitgrößte Canyon der Welt ist. Ein Abstieg am folgenden Tag war sehr schweißtreibend, aber auf jeden Fall der Mühen wert.

Nächstes Ziel war die Hafenstadt Lüderitz, in deren Nähe die Geisterstadt Kolmannskuppe liegt. Die Stadt wurde 1908 gegründet, nachdem man in dieser Gegend große Mengen Diamanten gefunden hatte.Für die Einwohner wurde mitten in der Wüste ein Ort mit allen erdenklichen Annehmlichkeiten geschaffen (Kasino, Kegelbahn, Schwimmbad, etc.). Als 1930 der Diamantenabbau eingestellt wurde, verließen die Menschen die Stadt und diese verfiel. Erst in neuerer Zeit begann man mit der Restaurierung einiger Gebäude und machte sie Touristen wieder zugänglich. Wir sind zweimal durch diese einzigartige Kulisse gelaufen, einmal morgens mit einer Führung, einmal abends völlig alleine, ein großes Erlebnis.

Die Fahrt nach Sesriem am Rande des Namib Naukluft Nationalparks unterbrachen wir zweimal. Zum einen für eine spannende, einsame Nacht in der Numisschlucht, zum anderen für einen langweiligen Stop beim Fort Dubiseb, an dem man bedenkenlos vorbeifahren kann, ohne etwas verpaßt zu haben. Die Zeit sollte man besser in der Namib rund um Sesriem verbringen.

Sesriem ist der Startpunkt für eine 66 km lange Fahrt ins Sossusvlei, einer große Lehmsenke mit den riesigen Dünen am Rand. Vom Campingplatz kann man vor Sonnenaufgang starten, so daß man zeitig im Vlei ankommen kann, wenn die gigantischen Sanddünen ihre charakteristischen Schatten werfen. Die Straße gehört aber zu den schlechtesten für Normalautos zu befahrenden Pisten in Namibia und da die letzten 5 km nur mit Allradfahrzeug zu befahren sind, sollte man gut 2-3 Stunden für einen Weg einplanen.

Die Wüste in diesem Gebiet war ein absoluter Höhepunkt unserer Reise. Man sollte sich schon ein wenig Zeit nehmen und abseits der Straße über die Dünen klettern, um diese einzigartige Landschaft zu erleben.

Am Rande des Namib Naukluft Nationalparks sind wir weiter nach Walvis Bay und Swakopmund gefahren, wo wir einige Tage auf einem Campingplatz außerhalb der Stadt verbracht haben. In der Umgebung gibt es einige Dinge zu sehen und zu tun, so dass es nicht langweilig wurde. Es gibt in der Nähe die Welwitschia zu bewundern, eine bis zu 1500 Jahre alte Pflanze, die aussieht wie eine vertrocknete Agave, interessant zu sehen, die ganze Faszination erschließt sich aber wohl nur eingefleischten Botanikern. Pferdeknochen in der Wüste, Flamingos in Walvis Bay, Sandboarding, bäuchlings auf einem Brett liegend die Dünen runterrutschen, oder am Strand spazieren gehen gehörten zu den Dingen, die wir gesehen oder gemacht haben.

Nächstes Fernziel war der Etosha Nationalpark. Die Strecke ist weit, aber auch unterwegs gibt es genug zu sehen. Bei Cape Cross befindet sich eine riesige Robbenkolonie (bis zu 500000 Tiere), die bis auf den bestialischen Gestank sehr imposant ist. Entlang der Skeleton Coast mit ihren Schiffswracks, leider ist nur der untere Teil des Nationalparks privat zu befahren, fuhren wir bis nach Aba Huab, wo wir auf dem netten Zeltplatz 2 Tage verbrachten. Die Felsenmalereien bei Tweifelfontaine, der petrified forest und die Tafelberge in der Umgebung sind sehr spannend, der verbrannte Berg erinnerte uns eher an langweilige Diavorträge im Erdkundeunterricht, soll sagen, der Berg ist nur für eingefleischte Geologen interessant.

Der Etosha Nationalpark ist natürlich ein weiterer Höhepunkt einer Reise ins südliche Afrika. Vier Tage sind wir durch den Park gefahren und wir waren alle vier so begeistert, daß wir gerne noch länger geblieben wären. Wir haben so viele Tiere gesehen, wie wir es uns vieleicht erhofft, aber nicht erwartet haben, Elefanten, Giraffen, Löwen, Gnus, Antilopen, Zebras, etc. Abends im Camp vom Okaukuejo zu sitzen und auf das beleuchtete Wasserloch zu schauen oder tagsüber gemächlich durch den Park zu fahren und hier und dort an den Wasserlöchern anzuhalten, ist ungeheuer faszinierend.

Vom Etosha Nationalpark fuhren wir wieder Richtung Süden. Mit einem Abstecher am Waterberg verbrachten wir noch zwei Tage auf der Mt. Etjo Safarilodge, auf der man ausser den "üblichen" Wildtieren der Region auch die in Namibia nicht heimischen Flusspferde sehen kann. Höhepunkt ist neben guten "Gamedrives" die allabendliche Löwenfütterung, die man aus einem Verschlag aus wenigen Metern beobachten kann. Da bekommt man noch mehr Respekt vor diesen Tieren und hofft sehr, daß beim Bau des Verschlags nicht gepfuscht worden ist. Da war dann auch schon der Abschluß unserer Reise, nächstes Ziel war wieder Windhoek. 5500 Kilometer lagen hinter uns, eine recht lange Strecke für vier Wochen, aber sehr lohnenswert.