Fahrkartenkauf in China

Wenn man nach China reist, möchte man natürlich auch mehr als einen Ort sehen, d.h. man kommt um den Kauf von Fahrkarten, sei es für Bus oder Zug, nicht herum. Man geht also zum Bahnhof und ist gleich in dem Glauben, alle Chinesen wollen auf einmal verreisen, weil so große Menschenmengen versammelt sind. Geduldig stellt man sich in der Schlange an, bis man endlich an der Reihe ist. Die erste Schwierigkeit: Der Verkäufer versteht nicht, wo man hin will und wann man reisen will. Da ist er mit seiner Geduld auch schon am Ende, ein unfreundliches "Mee-yo" , was soviel heißt wie, gibts nicht, kann ich nicht, hau ab,erschallt aus dem Schalter und mit abweisenden Handbewegungen versucht er, einen zum Gehen zu bewegen.

Der kluge Reisende gibt aber noch nicht auf, er kann entweder ein wenig Chinesisch oder hat sich im Hotel den Zielort und Reisetag auf Chinesisch aufschreiben lassen. Wenn man dann Glück hat, nimmt der Verkäufer mal wieder kurzfristig seine Arbeit auf, im Rücken beginnt aber nun das Volk gnadenlos zu drängeln, es dauert natürlich alles zu lange. Wenn man zu zweit oder dritt unterwegs ist, lassen sich solche "Angriffe" in der Regel kurzzeitig abwehren. Hinter dem Schalter sieht aber der Angestellte nun den aufkommenden Tumult und hat nun endgültig keine Lust mehr, wenn genau für den Zug, den man besteigen will, nun keine Karte mehr vorhanden ist und nun ein weiteres, wegen der Sprache schwieriges "Beratungsgespräch" geführt werden müßte. Damit ist die Sache dann vorbei. Weiteres Intervenieren nutzt dann nichts mehr, von allen Seiten wird man beschimpft und geht nun unter Umständen ohne Karte. Spätestens dann weiß man auch, warum Fahrkartenschalter in der Regel sehr kleine vergitterte Öffnungen haben.

Es gehört sicherlich in vielen aussereuropäischen Ländern zu den größeren Herausforderungen, an überfüllten Bahnhöfen Fahrkarten zu kaufen, z.B. auch in Indien gibt es lustigere Dinge, als sich gegen die Massen an den Schaltern zu erwehren. Der Unterschied ist nur: Man bekommt nach einigem Gedränge und Gerede immer eine Karte. Dies setzt aber bei aller Hektik die Bereitschaft voraus, sich mit dem (ausländischen) Kunden auseinanderzusetzen, auch wenn es etwas länger dauert. Genau diese Bereitschaft fehlte zumindestens zum damaligen Zeitpunkt den chinesischen Fahrkartenverkäufern völlig.

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