Reiseberichte aus dem Baltikum
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Litauen
Lettland
Estland

Im Sommer 2003 haben wir uns für eine Radtour durchs Baltikum, sprich Litauen, Lettland und Estland, entschieden. Da wir keine geübten Langstreckenradler sind, erschien uns die Topographie der Länder ideal, da es dort nur wenige Hügel gibt. Die einzigen kleinen Steigungen lagen in der "lettischen Schweiz", dem Gauja Nationalpark. Diesen schönen Park mit der teilweise alpinen Schweiz zu vergleichen, ist allerdings ein wenig vermessen.

Die Straßenqualität nimmt von Süden nach Norden zu. Während in Litauen meist nur die großen, oft vielbefahrenden Straßen einen guten Belag aufweisen, findet man in Estland viele kleine Straßen mit Asphaltdecke. Ebenso sind dort Radwanderwegen durch ganze Land auf z.T. idyllischen Straßen gut(!) ausgeschildert, die dazugehörige Karte gibt es überall zu kaufen.

Es gibt viele unbefestigte Straßen im Baltikum. Der Zustand ändert sich natürlich im Laufe der Zeit, so daß Tipps keinen Sinn machen. Manche Strecke ist in sehr gutem Zustand, man radelt ohne Verkehr durch schöne Landschaft, ein paar Kilometer weiter wird man durch Querrillen und Sand an den Rand des Wahnsinns getrieben. Nach einigen schlechten Erfahrungen haben wir nachher Schotterstrecken soweit es ging gemieden.

Im Baltikum ist noch vieles im Umbruch. Als Reisender merkt man es vor allen Dingen an Informationen des Reiseführers, die sehr mit Vorsicht zu geniessen sind. Angepriesene Hotels sind zugenagelt, neue Unterkünfte wurden eröffnet, meist natürlich nicht dort, wo man gerade eins braucht.

Die oft angesprochene Freundlichkeit der Menschen ist uns eher weniger aufgefallen. Unterwegs auf dem Land stößt man meist auf unfreundliche Gesichter und Ablehnung, Hilfe bei der Orientierung oder Unterkunftsuche wird einem oft nur nach massiver Intervention zuteil. Freundliche Grüße oder ein "danke" in der Landessprache treibt fast keinem Einheimischen eine Freundlichkeit aufs Gesicht. Natürlich haben wir auch freundliche, hilfsbereite und gastfreundliche Menschen getroffen, meistens haben wir aber dann bei denen gewohnt. Dieses ist nicht nur uns aufgefallen, alle Radreisenden, die wir trafen, hatten ähnliches zu berichten.

Die meisten Radfahrer werden wohl nicht nach Litauen radeln wollen, so daß sich zur An- und Abreise der Seeweg empfiehlt. Der Transport der Fahrräder mit der deutschen Bahn und den verschiedenen Fähren ist zwar langwierig, aber völlig problemlos. Die Fährfahrt von Kiel nach Klaipeda in Südlitauen dauert 26 Stunden, die Rückfahrt ab Riga nach Lübeck 34 Stunden. Bei unseren Fähren von Lisco und Latlines handelte es sich um recht kleine Fähren, die nichts mit den riesigen Skandinavien- oder Englandfähren gemeinsam haben. Sie sind mehr auf Fracht spezialisiert, so ist die Passagierzahl sehr übersichtlich, nach ein paar Stunden hat man jeden Passagier gesehen, am Ende hat man das Gefühl, mit fast jedem gesprochen zu haben. Natürlich gibt es auch Fähren von oder nach Tallinn, aber die war in unserem Fall leider ausgebucht.

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